Low Carb Ernährung – gesund oder schädlich?

„Low-Carb“-Diäten sind ungesund. Wer keine komplexen Kohlenhydrate isst, stirbt. Stimmt das? Ja. Aber: Wer komplexe Kohlanhydrate isst, stirbt auch. Das wird gerne verschwiegen.

Low carb ist nicht geich low carb. Es lohnt sich, genauer hinzusehen. Eine kohlenhydratreduzierte Ernährung mit viel Gemüse und Ballasstoffen ist durchaus empfehlenswert. Gemeint ist damit ein Kohlenhydratanteil an der Nahrung von etwa 30 Prozent. Das ist auch die Menge Kohlenhydrate, die wir bis in die Altsteinzeit gegessen haben und die Naturvölker heute noch verspeisen. Das ist allerdings nur gut die Hälfte von dem, was uns die Deutsche Gesellschaft für Ernährung empfiehlt.

Low Carb ist natürlich

cropped-wiesengrün-1.jpgSehen wir uns doch mal in der Natur um. Streichen wir durch Wald und Flur und ignorieren die Errungenschaften der Landwirtschaft wie Getreidefelder oder Kartoffeläcker. Wo sind sie – unsere komplexen Kohlenhydrate, die 50 Prozent unserer Nahrung ausmachen sollen? Doch nicht etwa diese winzigen Grassamen? Na – wenigstens muss man die nicht mehr mahlen.

Wenn wir ehrlich sind, sehen wir doch nur „grünes Blattgemüse“ und im Sommer ein paar Wochen lang ein bisschen Obst. Kleine Früchte. Die urtümlichen Obstbäume hatten auch nichts zu verschenken.

Ohne die moderne Landwirtschaft mit ihren Monsterzüchtungen hätten wir massive Probleme, uns an die Ernährungsempfehlungen der DGE zu halten. Die empfiehlt unverdrossen einen hohen Anteil von 50% an komplexen Kohlenhydraten, 30% Fett und 25% Eiweiß. Allerdings ist in deren Ernährngspyramide die Basis mit Weißbrot, Nudeln und Kartoffeln heimlich und ohne großes Tamtam ein oder zwei Stufen nach oben gerückt. Unten stehen jetzt  Gemüse und Wasser.

Die Quelle dieser Weisheit

Woher stammt die Erkenntnis, dass unsere Nahrung exakt so und nicht anders zusammengesetzt sein muss/darf? Zu Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts, zur Zeit des ersten Weltkriegs und vor dem Hintergrund große Nahrungsknappheit wollte man gerne wissen, wie wenig Fett und Eiweiß ein Körper verträgt ohne seine Leistungskraft zu verlieren. Heraus kam: 25% Eiweiß und 30% Fett Minimum. Den Rest solle man mit Fettbildnern füllen. Fettbildner – so hießen damals die Kohlenhydrate. Aus dem Minimum wurde mit der Zeit ein Optimum – et voilà. (Ich hoffe, ich erinnere mich hier richtig. Nachlesen kann man das in Nicolai Worms „Mammut“)

In diesem Buch ( Syndrom X oder Ein Mammut auf den Teller! Mit Steinzeitdiät aus der Wohlstandsfalle) beschreibt Nicolai Worm die gesundheitlichen Vorzüge einer kohlenhydratarmen Ernährung, ähnlich wie in der Steinzeit. Im Gegensatz zur echten Paleo-Diät, in der man auch keine Eier und Milchprodukte essen darf, packt er diese aber sehr wohl mit auf den Speiseplan. Schließlich wollen wir nicht rückständig sein.

Kritik an Low Carb

Es gibt Kritiker, zum Beispiel bei netdoktor.de, die befürchten, eine kohlenhydratarme Steinzeitkost sei für den  modernen Menschen nicht mehr geeignet. Wie kommen die darauf? Gerade in der Steinzeit waren die Menschen körperlich sehr aktiv und hätten diesen Supertreibstoff sehr gut gebrauchen können. Die körperliche Anstrengung heute beschränkt sich oft darauf, mit den Fingern auf der Tastatur zu klappern und gelegentlich die Maustaste zu drücken. Dafür braucht man keinen Raketentreibstoff. Das können wir auch mit den Pölsterchen auf der Hüfte bewerkstelligen.

Dann sei eine erhöhte Eiweißzufuhr für Patienten mit Gicht oder Nierenerkrankungen problematisch, eine erhöhte Fettzufur für Patienten mit Herz-Kreislauferkrankungen. Müssen alle gesunden Menschen auf diese Personengruppen Rücksicht nehmen? Und was ist mit den Diabetikern? Auch ihnen wird eine kohlenhydratlastige Ernährung empfohlen, obwohl sie gerade mit dem Stoffwechsel dieses Nährstoffs Probleme haben.

Verschiedene Low Carb Diäten

Wie schon angedeutet gibt es verschiedene Formen kohlenhydratreduzierter Ernährung. Manche sind wohl eher weniger empfehlenswert und vielleicht schuld daran, dass „low carb“ gerne verteufelt wird.

  • Bei der Atkins Diät sind Eiweiß und Fett die Hauptenergieträger. Hier darf man Kohlenhydrate wirklich nur in homöopathishenn Dosen zu sich nehmen. Diese Ernährung ist auch fast vollständig ballaststofffrei. Das ist sicher nicht gesund. Kein Wunder, aber ein Glück, dass man das schnell satt hat.
  • Die Scarsdale-Diät ist fett- und kohlenhydratreduziert. Man ernährt sich von mageren tierischen Produkten, Obst und Gemüse. Die Kohlenhydratzufuhr ist sehr beschränkt.
  • Die Logi-Diät ist ein Ernährungskonzept, dass die  glykämische Last der Nahrung ins Visir nimmt.  Logi steht für Low Glycemic and Insulinemic Diet. Also eine Ernährung, bei der darauf geachtet wird, dass Kohlenhydrate mit einem niedrigen glykämischen Index verzehrt werden. So sollen Blutzuckerspiegel   und Insulinausschüttung gering gehalten werden. Die Methode wurde von Nicolai Worm entwickelt und stellt eine dauerhafte Ernährungsform dar, die lebenslang eingehalten werden soll.
  • Der New York Body Plan ist dagegen eine Crashkur, bei der man vierzehn Tage lang sehr viel Eiweiß, auch in Pulverform, zu sich nimmt.
  • Und nicht zu vergessen: die Paleo Diät, die einfach eine Ernährung wie in der Altsteinzeit empfiehlt. Pflanzen, Tiere, aber keine „modernen“ Lebensmittel wie  Hülsenfrüchte oder Milchprodukte und Eier.

Mein persönlicher Favorit: die LOGI Ernährung. Ich kann mir nicht helfen, aber mir läuft das Wasser im Mund  zusammen, wenn ich lese von Eiern mit Schinken  und Tomaten zum Frühstück, Steak mit Salat zu Mittag und Gemüse mit Schafskäse und Nüssen zu Abend.

meine Erfahrungen

Ich mache immer wieder die Erfahrung: Wenn ich „komplexe Kohlenhydrate“ esse, wie sie uns so sehr empfohlen werden, bin ich zwar kurzfristig satt, entwickle aber nach kurzer Zeit einen Riesenheißhunger. Und wenn ich das über mehrere Mahlzeiten praktiziere, fühle ich mich zudem noch schlapp.

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Tapete, lecker

Wenn ich ein Weizenbrötchen frühstücke, macht sich etwa zwei Stunden später ein eiskaltes Gefühl im Magen breit und mein Reptilienhirn schreit: „Friss was! Jetzt! Schnell!  Schau dir diese leckere Tapete an. Die ist bestimmt köstlich.“  Wenn ich auf kohlenhydratreiche Nahrungsmittel wie Brot, Nudeln, Reis, Kartoffeln verzichte, entwickle ich dagegen kein Hungergefühl, nur irgendwann, ganz spät, so eine Art Erinnerungsgong, dass man mal wieder was essen könnte. So kann ich den ganzen Tag fasten und nicht mal am Abend hab ich Heißhunger.

Den ganzen Tag fasten – das klingt sehr ungesund. Aber in Wirklichkeit bietet es dem Körper einfach die Gelegenheit, mal runter zu kommen. Der Blutzucker- und Insulinspiegel sind niedrig, die Verdauung hat Pause. Das ist das Prinzip des Teilzeitfastens, das allerdings kürzere „Fastenperioden“ vorsieht.

Verlustängste und Sucht

Schon allein der Gedanke, nie wieder Weißbrot, Pizza oder Pasta zu essen, dürfte dem ein oder anderen den kalten Schweiß auf die Stirn treiben. Aber das sind zum Teil ganz normale Verlustängste, wie sie eben auftreten, wenn man sich etwas verbietet. Ich wette, da schreit sofort das Reptilienhirn: Von wegen! Jetzt erst recht! Her damit!!!

Dann ist da aber noch ein amerikanischer Kardiologe, der in seinem Buch von der Weizenwampe – sehr reißerisch – beschreibt, was Getreide, vor allem Weizen, mit unseren Köpfen anstellt. Er berichtet nämlich, dass Abbauprodukte des Weizenklebers (Gluten) die Blut-Hirn-Schranke durchdringen und im Gehirn an Opiatrezeptoren binden. Er nennt sie Exorphine, in Anlehnung an Endorphine, die körpereigenen Glückshormone, von denen wir nicht genug kriegen können. Und er meint, dass Weizen, und alle Getreidesorten, die Gluten enthalten, deswegen richtiggehend süchtig machen können.

Ausprobieren

Mein Tipp: Einfach mal ausprobieren, wie man sich mit einer halben Kohlenhydratration fühlt. Worauf dieses Wohlgefühl (ich gehe einfach mal davon aus, dass sich eines einstellt 🙂 )beruht, kann man in den Büchern von Nicolai Worm nachlesen. Sie sind wissenschaftlich exakt und trotzdem leicht verständlich und sehr unterhaltsam geschrieben.

Da wären zum Beispiel:

Und er ist nicht allein. Viele Fachleute werden nicht müde und schreiben sich die Finger wund, um die Leute von der Kohlenhydratmast abzubringen. Zum Beispiel auch Ulrich Strunz, der sich fragt, Wieso macht die Tomate dick?

Wer das alles nicht so genau wissen will, aber vielleicht das ein oder andere Pfund loswerden, kann das mit einer Low Carb Ernährung und dem richtigen Ernährungsplan einfach tun.

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