Bacteroides vs Firmicutes: die Darmflora bestimmt unser Körpergewicht

bacteriaWir sind nicht allein. In unserem Darm tummelt sich eine artenreiche Bakteriengesellschaft, die unser Essverhalten und damit unser Körpergewicht massiv beeinflusst. Bacteroides oder Firmicutes? Wer macht sich bei uns breit und lässt uns in die Breite gehen?

Die Zusammensetzung unserer Darmflora und ihre Auswirkung auf unsern Körper wird zur Zeit intensiv untersucht. Mit erstaunlichen Ergebnissen. Die Bakteriengesellschaft im Darm, das Mikrobiom oder die Darmflora, ist nicht immer gleich und lässt sich in verschiedene Typen unterteilen.

Bei Übergewichtigen überwiegen Bakterien der Gruppe Firmicutes, die gerne als Hüftgoldbakterien bezeichnet werden. Diese Moppelbakterien zerlegen auch kaum verwertbare Ballaststoffe und entziehen der Nahrung weitaus mehr Energie, die letzlich als Speck auf den Rippen des Gastgebers landet.

Bakterien, die zur Gruppe der Firmicutes  zählen, bauen Cellulose, die eigentlich ein Ballaststoff aus pflanzlichen Zellwänden ist, zu kurzkettigen Fettsäuren ab. Die dienen den Darmzellen zwar als Nahrung, ein Zuviel davon landet allerdings als Gold auf den Hüften des Wirtes.  Darüber hinaus verlangen sie noch nach ungesunden Lebensmitteln, fett- und zuckerreich, typisch westliche Ernährung eben, die sie über verschiedene Botenstoffe anfordern. Der Wirt ist ziemlich machtlos. Das Regime der Firmicutes liefert bis zu 200 Extrakalorien täglich. Etwa 7000 davon ergeben ein Kilo Körperfett extra. Das ist in einem guten Monat erreicht.

Im Darm schlanker Menschen überwiegt die Gattung Bacteroides. Daneben findet man noch häufig Bifidobakterien und die relativ neu entdeckte Gattung Akkermansia. Diese Bakterien lassen von den verfügbaren Nährstoffen eher mal was durchrutschen. Das führt dazu, dass die Auscheidungen, die von einem solchen Mikrobiom produziert werden tatsächlich mehr Energie enthalten. Darüber hinaus ruft die Bacteroides Gruppe ein Sättigungssignal hervor und und Akkermansia regt die Fettverbrennung an.  Bei fettreicher Ernährung verringert sich aber die Anzahl von Bifidobakterien und Akkermansien.

Eine weitere wichtige Bakteriengruppe des Mikrobioms sind die Milchsäurebakterien. Milchsäurebakterien gelten eigentlich als positiv und sind Probiotika als „Milliarden kleiner Helfer“ zugesetzt. Aber die die Rolle der Milchsäurebakterien in der Darmflora ist nicht ganz geklärt. Einerseits wird die Gattund Lactobacillus in der Tiermast zur Leistungssteigerung eingesetzt. Für eine andere Art, Lactobacillus rhamnosus, ist aber gezeigt, dass sie zur Gewichtsreduktion beiträgt. Vielleicht sollte man bei Probiotika einfach ein bisschen genauer hinschauen, welcher Bakterienstamm darin enthalten ist.

Jetzt könnte es ja durchaus sein, dass man sich eine Darmflora vom Typ Bacteroides wünscht. Wo bekommt man die her? Man kann sie heranpäppeln, indem man ihnen ihre Leibspeise auftischt. Das sind verschiedene Präbiotika wie

  • Inulin
  • Oligofructose
  • Pektin
  • Lactulose

Als Präbiotika bezeichnet man die Bakteriennahrung. Das sind Ballaststoffe, die der Wirt selbst nicht nutzen kann und deshalb ganz und gar den Darmbewohnern zugute kommen.
Eine Ernährung die reich an diesen Präbiotika ist, wird eher kurz- als mittelfristig das Gleichgewicht zugunsten des Bacteroides Typs verschieben.

Wo ist das drin?

Inulin kommt in Zwiebelgewächsen reichlich vor. Auch Chicoree enthält viel Inulin, vor allem in der Wurzel, die geröstet als Malzkaffee bekannt ist. Topinambur soll der Spitzenreiter an Inulin sein. Auch Endivien, Artischoken, Pastinaken, Tomaten, Spargel und Schwarzwurzel enthalten ordentlich davon. Schließlich kommt Inulin noch in Tüten vor.
Die kann man in der Drogerie kaufen und seine Mahlzeiten damit aufpeppen.

Inulin ist ein löslicher Ballaststoff der aus langkettigen Fruchzuckermolekülen aufgebaut ist. Sind die Moleküle etwas kürzer spricht man von Oligofructose. Die findet man wieder in Zwiebeln, Bananen, Tomaten, Spargel, Roggen oder Hafer.
Pektin mögen die guten Darmbakterien auch gerne. Das gibt es in Obst und Gemüse, vor allem in der Schale.

Und dann ist da noch ein Leckerbissen: Resistente Stärke. Das ist Stärke die eine besondere Struktur hat, so dass wir sie nicht selbst abbauen können. Deshalb kann sie im Darm als Bakterienfutter dienen. Das Tolle ist: Sie entsteht im stärkehaltigen Lebensmitteln nach dem Kochen oder Backen, beim Abkühlen. So können diese Speisen nach dem Aufwärmen deutlich mehr Ballaststoffe enthalten als frisch. Und so kommt es, dass man gelegentlich doch einmal ein paar (aufgewärmte) Nudeln oder ein Scheibchen Weißbrot genießen kann, obwohl von diesen Lebensmitteln immer abgeraten wird.

Es ist doch nichts so schlecht, dass es nicht wieder für was gut ist…

Woher weiß die das? Sie hat dieses Buch gelesen:

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